Fastenbrechen in der Schule

Eichsfelder Tageblatt vom 24.06.2017

25 Schüler aus Flüchtlingsklassen der BBS treffen sich nach Sonnenuntergang mit Lehrerinnen

Von Axel Artmann

Schüler aus Flüchtlingsklassen treffen sich zum Fastenbrechen in den Berufsbildenden Schulen Duderstadt.             Foto: Bänsch

Duderstadt. Reis mit Rosinen, arabische Suppe, Weinblätter: Spezialitäten aus anderen Kulturkreisen sind zum Schuljahresende in den Berufsbildenden Schulen Duderstadt auf den Tisch gekommen. Erstmals trafen sich rund 25 Schüler aus zwei Flüchtlingsklassen und ihre Lehrerinnen nach Sonnenuntergang zum Fastenbrechen.

„Wir wollen den Schülern eine Wertschätzung geben und ihnen zeigen, wir akzeptieren, dass sie Ramadan haben“, sagt Klassenlehrerin Elvira Ballhausen. Sie erinnerte daran, dass es in Deutschland Brauch sei, zum Schuljahresende gemeinsam als Klasse zu frühstücken oder ein Eis zu essen. „Da haben wir uns gesagt, wir treffen uns zum Fastenbrechen, um diesen Aspekt ihrer Kultur kennenzulernen und mit ihnen zu teilen.“

„Das ist eine gute Idee gewesen“, meinte die 19-jährige Hatixhe aus Albanien, die Krankenschwester werden möchte und „Manti“ mitbrachte. Dahinter verbarg sich eine Mischung aus Teig, Salami und Zwiebeln. Hähnchen mit Paprika und Tomaten zählte zu den Genüssen, die Mahdi vorbereitet hatte. „Es ist schwer, im Ramadan so lange zu warten, bis man essen kann“, erzählte der 18-Jährige aus Afghanistan. In Duderstadt besuche er gerne das Schwimmbad oder das Jugendfreizeitheim.

Andere Orte beeindrucken Ahmad aus Syrien, der das Fastenessen „super“ fand. „Mir gefallen besonders das Heimatmuseum und die Basilika“, sagte der 19-Jährige. „Man spürt in Deutschland mehr den Hunger als den Durst“, berichtete der 18-jährige Omran. Er verwies darauf , dass die Sonne hier viel später als in seiner syrischen Heimat untergehe. Nach einem Gebet begann das Fastenessen, an dem auch Schulleiterin Sabine Freese teilnahm.

Unbegleitete Flüchtlinge sind in drei Klassen mit den Schwerpunkten Gesundheit, Technik und Wirtschaft unterrichtet worden, so Ballhausen. Rund 85 Prozent der Schüler hätten den Hauptschulabschluss erreicht. Schwierigkeiten bei der Vermittlung des Unterrichtsstoffes entstünden oft durch Fachwörter, Sprichwörter oder durch Worte des täglichen Gebrauchs, beschrieb sie ihre Erfahrungen. „Mit den Schülern musste die deutsche Pünktlichkeit geübt werden“, verwies die Oberstudienrätin auf einen anderen Aspekt. Auffallend sei, dass sie in ihren Heimatländern oftmals höher qualifiziert gewesen seien. Während des Schuljahres sei eine intensive Zusammenarbeit zwischen Lehrern, Schulsozialarbeiterin und Jugendhilfe Südniedersachsen notwendig gewesen. Diese habe „jetzt auch zu guten Ergebnissen geführt“.

Der Fastenmonat

Der Ramadan und damit der Fastenmonat der Muslime hat am 27. Mai begonnen. Vier Wochen verzichten sie von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf Speisen und Getränke. Der Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Mondkalenders. In dieser Zeit wurde die Heilige Schrift der Muslime der Überlieferung nach auf die Erde hinab gesandt. Da sich der Ramadan nach dem islamischen Mondkalender richtet, kann der Fastenmonat mal 29, mal 30 Tage dauern. Der Islam besteht aus den sogenannten fünf Säulen. Eine davon ist das Fasten während des Ramadan, der als besonders heilige Zeit gilt, in der Körper und Seele gereinigt werden. Der Fastenmonat endet am Sonnabend, 24. Juni, mit dem Zuckerfest. Es wird in der Regel mit Freunden und Verwandten gefeiert. Wegen der Ausrichtung auf den islamischen Mondkalender verschiebt sich die Fastenzeit jedes Jahr um einige Tage. art